Am 22. September 2026 öffnet das Lucas Museum of Narrative Art im Exposition Park in Los Angeles seine Türen, und zum ersten Mal erhält jene Art von Bildern, die gewöhnlich auf einem Poster, in einem Comic oder auf einem Filmplakat landet, ein eigenes Museum von Weltrang. Hinter dem Bau stehen George Lucas und Mellody Hobson, die über fünf Jahrzehnte hinweg mehr als 40.000 Werke gesammelt haben – von Artemisia Gentileschi und Norman Rockwell bis zu Frida Kahlo, Diego Rivera und Robert Crumb. Das Museum ist keine Hommage an Science-Fiction. Es ist ein Plädoyer: dafür, dass erzählerische Bilder ebenso sehr Kunst sind wie Malerei und dass die Grenze zwischen Hoch- und Populärkultur schon immer erfunden war.
Auf einen Blick: Das Lucas Museum of Narrative Art öffnet am Dienstag, dem 22. September 2026, für die Öffentlichkeit. Das Gebäude umfasst rund 28.000 Quadratmeter, davon gut 9.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in mehr als dreißig Sälen. Die Eröffnungsausstellungen zeigen über 1.300 Werke aus der Sammlung, und die gesamte Anlage liegt in einem neu angelegten Park mit gut fünf Hektar Fläche, wo zuvor ein asphaltierter Parkplatz war.
So verlief der Countdown bis zum 22. September
Die Eröffnung erfolgt in mehreren Etappen. Mitglieder wurden zwischen dem 5. und 11. September zu Vorbesichtigungen eingelassen, und am 13. September fand ein besonderer Tag für die Nachbarschaft statt: für lokale Geschäftsleute, Vereine, Schülerinnen und Schüler sowie Bewohnerinnen und Bewohner des Postleitzahlengebiets des Museums im Süden von Los Angeles. Am 19. September wurde das Gebäude mit einer Eröffnungsgala eingeweiht, deren Gastgeber viel über die Ambitionen verraten – darunter Steven Spielberg, Guillermo del Toro, Greta Gerwig, Tom Cruise, der Straßenkünstler JR, die Illustratorin Julie Bell und Pharrell Williams. Erst danach, am 22. September, öffnen sich die Türen für alle anderen.
Das Gebäude selbst wurde von Ma Yansong von MAD Architects gemeinsam mit Stantec entworfen und weist den Architekten zufolge keine einzige gerade Linie auf. Die Form schwebt über dem Boden und ruht nur auf wenigen Punkten, wodurch unter dem Gebäude ein geschützter Platz entsteht. Der zentrale Bogen überspannt rund 56 Meter, und vier Stockwerke weiter oben befindet sich ein elliptisches Oberlicht, das den Blick direkt zum Himmel freigibt. Die Fassade besteht aus über 1.200 gebogenen Paneelen aus glasfaserverstärktem Polymer, von denen jedes eine einzigartige Form hat.
Rund um das Gebäude liegt ein von Mia Lehrer vom Studio-MLA entworfener Park. Wo früher Asphalt war, stehen nun über 300 neu gepflanzte Bäume; dazu gibt es einen hängenden Garten, ein Amphitheater, eine Wiese und einen als Wasserfall gestalteten Brunnen. Der Park ist kostenlos zugänglich und erweitert die Ausstellungsräume nach draußen: Zehn monumentale Skulpturen stehen entlang der Wege, von Fernando Boteros Maternity bis zu einer Bronzefigur von Rosie the Riveter. Die Pflanzen wurden mit Blick auf ein wärmeres Klima ausgewählt und umfassen dürretolerante und einheimische Arten.
1.300 Werke, die die Grenze zwischen Kunst und Popkultur verwischen
Der Besuch beginnt im Erdgeschoss mit The History of Narrative Art: Heroes • Myths • The Sacred, einer Einführung dazu, wie visuelles Erzählen Glauben, Macht und Gemeinschaft geprägt hat. Das Besondere an diesem Saal ist die Mischung aus Originalwerken und extrem präzisen Reproduktionen von Dingen, die niemals transportiert werden können: der Decke der Sixtinischen Kapelle, den Höhlenmalereien von Altamira, dem aztekischen Sonnenstein und den geflügelten Stieren aus dem Palast von Sargon II. Die Reproduktionen wurden mithilfe von 3D-Scans in Zusammenarbeit mit den Vatikanischen Museen, dem Louvre, dem Forschungszentrum in Altamira und dem mexikanischen Institut für Anthropologie erstellt.
Der vierte und fünfte Stock sind nach Themen, Medien und einzelnen Künstlern geordnet. Hier finden sich Vincent van Gogh, George Bellows und Jacob Lawrence neben Beatrix Potter, Charles White und Ernie Barnes in Sälen zu Liebe, Familie, Arbeit, Sport und Abenteuer. Andere Räume sind Genres wie Fantasy und Romantik sowie Medien wie Comics, Manga, Graphic Novels, Fotografie und Wandmalerei gewidmet – mit Namen wie George Herriman, Charles Schulz, Frank Miller, Takashi Murakami, Robert Capa und Gordon Parks. Dieselbe genreübergreifende Mischung findet sich in unserer Auswahl an Postern zur Popkultur.
Ein ganzer Saal im fünften Stock ist dem monumentalen Erzählen im öffentlichen Raum gewidmet. Gezeigt werden Materialien aus dem Archiv rund um Judith F. Bacас Wandgemälde The History of California, ein über achthundert Meter langes Mural in Los Angeles, zusammen mit großformatigen Werken von Diego Rivera und JR sowie bislang unveröffentlichten Arbeiten direkt aus Banksys Atelier. Dass Dokumentarfotografie und Street Art im selben Haus wie Malerei des 19. Jahrhunderts hängen, ist der ganze Sinn der Sache – dieselbe Logik bestimmt auch unsere Auswahl an Fotokunst.
"Das Museum kehrt die Frage um: Statt zu fragen, ob ein Bild schön genug für die Kunst ist, fragt es, ob es genug Menschen etwas erzählt hat."
Die Illustratoren, die ein Jahrhundert auf ihren eigenen Saal warten mussten
Die deutlichste Neubewertung findet in den Sälen statt, die einzelnen amerikanischen Illustratoren gewidmet sind. Norman Rockwell, N.C. Wyeth, Jessie Willcox Smith, Maxfield Parrish, Frank Frazetta und Thomas Hart Benton erhalten jeweils einen eigenen Raum – Künstler, deren Bilder im 20. Jahrhundert jede Woche über Zeitschriftencover und Buchumschläge Millionen Menschen erreichten, die von der Kunstgeschichte aber lange eher als Handwerker denn als Urheber behandelt wurden. Der Grund war selten die Qualität. Es lag daran, dass die Bilder in Auftrag gegeben, gedruckt und verbreitet wurden, statt allein in einem Saal zu hängen. Unsere eigene Auswahl an Illustrationspostern steht in derselben Tradition.
Schweden hat seine eigene Version dieser Geschichte. Elsa Beskow, John Bauer und Ottilia Adelborg prägten durch Buchillustrationen das visuelle Gedächtnis ganzer Generationen, und es dauerte bis weit in die Nachkriegszeit, bis ihre Werke selbstverständlich an Museumswänden hingen. Heute hat sich die Bewegung umgekehrt: Das Märchenbild ist zu begehrter Wandkunst für Kinder und Erwachsene geworden. Wir haben ausführlich darüber in unserem Leitfaden zu Elsa Beskows Motiven geschrieben, und entsprechende Motive finden sich in unserer Sammlung von Kinderbildern.
Joseph Campbells Bibliothek und die Idee, die das Museum zusammenhält
Das Museum beherbergt auch eine Forschungsbibliothek, die kostenlos besucht werden kann und über 30.000 Comics umfasst, mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Silbernen Zeitalter der Comics. Außerdem gibt es dort rund 2.900 Bände aus der persönlichen Bibliothek des Mythenforschers Joseph Campbell, viele davon mit seinen eigenen Unterstreichungen und Randnotizen. Campbell formulierte die Idee des Monomythos, der Heldenreise, in The Hero with a Thousand Faces – dem Buch, das George Lucas mehr als jedes andere beim Schreiben seiner Filme beeinflusste. Hinzu kommen rund 3.000 Kunstbücher, gestiftet von Steve und Ann Martin.
Diese Bibliothek erklärt die Grundthese des Museums besser als jeder Ausstellungstext. Wenn dieselben Erzählmuster in Höhlenmalereien, Altarbildern, Zeitschriftencovern und Filmplakaten wiederkehren, dann ist das visuelle Erzählen keine Gattung, sondern eine menschliche Grundfunktion. Das Museum weist zugleich auf den unbequemen Umstand hin: Genau dieselben Mittel wurden von Kirche und Staat eingesetzt, um Werte zu vermitteln, Macht zu behaupten und festzulegen, was geglaubt werden soll. Das erzählende Bild ist also niemals neutral, egal, ob es in einer Kapelle hängt oder über einem Sofa.
Zu den ungewöhnlicheren Elementen gehören zwei Kinos, die eher als Säle denn als separate Vorführungen funktionieren: Besucher können kommen und gehen, wie sie möchten, und die Filme dauern zwischen wenigen Minuten und anderthalb Stunden. Das eine ist nach dem Dokumentarfilmpionier Robert Flaherty benannt und zeigt Filme über die Geschichte des visuellen Erzählens und über die Künstler der Ausstellungen. Das andere trägt den Namen Slavko Vorkapich, nach dem experimentellen Filmemacher, der von den 1920er- bis zu den 1940er-Jahren Montageszenen und Effekte für Hollywood schuf und später die Filmabteilung der Universität leitete, an der George Lucas selbst studieren sollte. Auch hier gilt dieselbe These: Technik ist das Werkzeug des Erzählens, nicht dessen Gegenteil.
Tipp: Probiere die Logik des Museums an deiner eigenen Wand aus. Stell dich davor und frage dich, was die Bilder gemeinsam erzählen, in der Reihenfolge, in der das Auge sie liest. Wenn die Antwort „nichts Besonderes“ lautet, liegt das meistens nicht an den Motiven, sondern an ihrer Anordnung. Ordne sie so um, dass das Bild mit dem meisten Geschehen an der Stelle landet, auf die der Blick zuerst fällt, und lass die ruhigeren Motive es von den Seiten her tragen.
Was ein Museum für erzählende Bilder für die Wand zu Hause bedeutet
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Trendberichte für 2026 weisen in dieselbe Richtung: Pinterests Einrichtungsvorschauen heben einen theatralischeren und ausdrucksstärkeren Maximalismus hervor, und die jährliche Umfrage von 1stDibs unter Innenarchitekten setzte Maximalismus, Schokoladenbraun und Vintage-Fundstücke ganz nach oben auf die Liste. Der gemeinsame Nenner ist, dass das Zuhause etwas Persönliches erzählen soll, statt wie ein Katalogauszug auszusehen. Ein Museum, das Illustration, Comics und Poster-Kunst denselben Stellenwert wie der Malerei einräumt, vollzieht genau dieselbe Bewegung, nur in institutioneller Form.
In der Praxis bedeutet das, dass du Motive mit Handlung wählen kannst, nicht nur Motive in der richtigen Farbe. Ein Bild, auf dem tatsächlich etwas geschieht – eine Begegnung, eine Reise, ein Augenblick vor etwas – lässt sich jeden Tag auf eine andere Weise betrachten als eine reine Flächenkomposition. Das gilt besonders in Räumen, in denen man längere Zeit still sitzt. Wenn du mehrere Bilder zusammenhängend aufhängst, lohnt es sich, sie einer zeitlichen oder räumlichen Richtung folgen zu lassen, ungefähr wie die Panels einer Comicserie. Motive mit einer solchen eingebauten Geschichte gibt es reichlich unter unseren Retro- und Vintagepostern.
Wenn du verstehen möchtest, warum gerade diese Neubewertung so lange auf sich warten ließ, sind zwei unserer früheren Texte eine gute Begleitung: der Überblick über die Geschichte der Wandkunst von der Höhlenmalerei bis zur Galeriewand und unser Text über die Geschichte des Posters, der beschreibt, wie das gedruckte Bild um die Jahrhundertwende um 1900 erstmals in den Kunstraum einzog. Das Lucas Museum ist praktisch das nächste Kapitel derselben Geschichte.
Häufig gestellte Fragen zum Lucas Museum of Narrative Art
Wenn du die Originalquelle lesen möchtest, findest du die eigene Präsentation des Museums zur Eröffnung bei Lucas Museum of Narrative Art und einen Überblick über die Architektur bei ArchDaily. Und wenn du lieber die Idee mit nach Hause nehmen möchtest als ein Flugticket: Fang mit einem Poster an, das jeden Tag etwas erzählt, das du wirklich sehen möchtest. Unsere Illustrationsposter sind ein guter Ausgangspunkt, und ein einziges sorgfältig ausgewähltes Bild im Format 50x70 bewirkt mehr in einem Raum als fünf Bilder, die nur nach der Farbe ausgewählt wurden.
