Am 7. Juli 2026 eröffnet das Riksidrottsmuseet auf Djurgården in Stockholm seine neue Ausstellung über die Sonnenschein-Olympiade – die Olympischen Spiele in Stockholm im Sommer 1912. Hinter dem sonnigen Namen verbirgt sich auch ein echter Meilenstein der Grafikgeschichte, denn für genau diese Spiele wurde das erste offizielle olympische Plakat der Welt geschaffen. Dieses Plakat erinnert daran, dass ein Poster weit mehr als Dekoration sein kann: Es kann ein Stück Geschichte sein. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf das Angebot der Ausstellung, die Geschichte hinter Olle Hjortzbergs wegweisendem Plakat und darauf, wie die Formensprache der frühen Plakatkunst bis heute an schwedischen Wänden weiterlebt.
Es ist kein Zufall, dass ein Sportmuseum auch für Kunstinteressierte ein Thema ist. Im Sommer 1912 stand Stockholm im Blickpunkt der Welt, und alles, was rund um die Spiele entstand – von Plakaten und Abzeichen bis hin zu Fotografien –, weist eine Ästhetik auf, die noch heute überraschend aktuell wirkt. Wer die Ausstellung besucht, entdeckt schnell, dass die Grenze zwischen Sport- und Kunstgeschichte viel dünner ist, als man vielleicht denkt, und dass ein einfaches Plakat ein ganzes Zeitalter in sich bergen kann.
Die Sonnenschein-Olympiade eröffnet am 7. Juli 2026 – worum es in der Ausstellung geht
Das neue Angebot des Riksidrottsmuseet ist eine interaktive Ausstellung für Familien, Schulklassen und Besucher aus aller Welt. Sie eröffnet am 7. Juli 2026 und wird in den kommenden zehn Jahren Teil der Dauerausstellung des Museums sein – also eines der größten und langfristigsten Projekte, die das Museum seit Langem in Angriff genommen hat. Ziel ist es, Besucher zurück in die Feststimmung zu versetzen, die im Sommer 1912 in Stockholm herrschte – ein Ereignis, das für den schwedischen Sport, die Hauptstadt und die gesamte olympische Bewegung große Bedeutung hatte.
Die interaktive Gestaltung macht Geschichte körperlich erfahrbar. Besucher können mehrere Disziplinen der Spiele ausprobieren: wie die Turmspringerin Greta Johansson aus zehn Metern Höhe springen, gemeinsam mit den Zwillingsbrüdern Carlberg mit der Pistole schießen und das Finale über hundert Meter stoppen. Diese Geschichtsvermittlung spricht den Körper ebenso an wie den Geist und macht die Ausstellung zu einem lohnenden Sommerausflugsziel für alle, die ohnehin rund um die Museen auf Djurgården unterwegs sind. Dass die Spiele gerade Sonnenschein-Olympiade genannt wurden, sagt etwas darüber aus, wie man sich an sie erinnert – als einen hellen, fast idyllischen Moment, bevor der Erste Weltkrieg seinen Schatten über Europa warf.
Die Stockholmer Spiele von 1912 waren in vielerlei Hinsicht ein Technologiesprung, der den Maßstab für die modernen Spiele setzte. Hier wurden präzisere Zeitmessung und Zielfotografie eingesetzt, um die Teilnehmer in den knappsten Rennen auseinanderzuhalten, und die Organisation von allem, von Ergebnislisten bis zur Beschilderung, wurde zum Vorbild für künftige Veranstalter. Dass das Museum Besucher nun das Hundertmeterfinale selbst stoppen lässt, ist also nicht nur ein Spiel – es knüpft daran an, dass genau diese Spiele die Art und Weise veränderten, wie Sport gemessen und dokumentiert wurde. Für Plakat- und Kunstinteressierte ist das visuelle Erbe am auffälligsten, aber man sollte daran denken, dass das Gesamtpaket rund um 1912 auf eine Weise durchdacht war, wie es bei nur wenigen früheren Veranstaltungen der Fall gewesen war.
Kurzinfos: Die Ausstellung Solskensolympiaden wird am 7. Juli 2026 im Riksidrottsmuseum auf Djurgården eröffnet und bleibt zehn Jahre lang dauerhaft geöffnet. Besucher können unter anderem wie Greta Johansson tauchen, mit den Brüdern Carlberg Pistole schießen und das Hundertmeterfinale der Stockholmer Spiele von 1912 stoppen.
Hjortzbergs Plakat – das weltweit erste offizielle olympische Plakat
Die eigentliche grafische Sensation der Spiele von 1912 war das Plakat. Der schwedische Künstler Olle Hjortzberg (1872–1959) erhielt den Auftrag durch einen künstlerischen Wettbewerb, und das Ergebnis war das allererste offizielle Plakat, das ein olympischer Veranstalter präsentierte. Vor Stockholm hatten die Spiele schlicht kein einheitliches, offizielles Bild, um das sich alle scharen konnten – hier wurde eine Tradition begründet, der seitdem jede Gastgeberstadt bis in unsere Zeit gefolgt ist.
Das Motiv ist stark vom Jugendstil oder Art nouveau geprägt, mit seinen geschwungenen Linien und rhythmischen Bewegungen. Hjortzberg stellte den Marsch der Nationen dar: Ein zentraler Athlet in einer klassischen griechischen Pose hebt die schwedische Flagge, während Athleten hinter ihm die Fahnen ihrer eigenen Länder zum gemeinsamen Ziel der Spiele tragen. Die Komposition ist zugleich patriotisch und universell – Schweden in der Mitte, die Welt ringsum. Hjortzberg war im Grunde Kirchen- und Dekorationsmaler mit einem Hintergrund in der christlichen Kunst, erkannte aber früh die Kraft des Plakats als Medium und beherrschte dessen Dramatik.
"Vor Stockholm 1912 hatten die Olympischen Spiele kein offizielles Plakat – Hjortzberg schuf nicht nur ein Bild, sondern eine Tradition, der seitdem jede Gastgeberstadt gefolgt ist."
Das Plakat sorgte ebenfalls für Aufsehen. Die Nacktheit der abgebildeten Athleten, als Hommage an die Spiele der Antike gedacht, wurde als provokant empfunden, obwohl Bänder hinzugefügt worden waren, um die Figuren zu bedecken. Infolgedessen wurde das Plakat nicht in allen Ländern verbreitet – in manchen galt es schlicht als zu gewagt. Trotzdem wurde es in sechzehn Sprachversionen und drei Formaten gedruckt und weltweit verbreitet. Dass ein Bild zugleich offizielles Nationalsymbol und skandalös sein konnte, sagt etwas über die Bedeutung des Plakatmediums zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus.
Von der Straße des Jahres 1912 an deine Wand – warum die frühe Plakatkunst Bestand hat
Was Hjortzbergs Plakat und seine Zeitgenossen heute als Wandkunst so praktisch macht, ist gerade ihre Herkunft. Sie wurden dafür geschaffen, aus der Ferne zu wirken, an einer Säule oder Hauswand mitten im Stadtleben. Deshalb basieren sie auf klaren Formen, einer starken Komposition und einer Farbpalette, die auch aus einiger Entfernung überzeugt. Ein Bild, das dazu gedacht ist, Passanten anzulocken, macht sich zu Hause fast immer gut in einem größeren Format – es besitzt die eingebaute Kraft, die ein Poster braucht, um einem Raum Ausdruck zu verleihen.
Die frühe Plakatkunst der Jahrhundertwende ist außerdem eine ganze Stilrichtung, aus der man schöpfen kann. Die umfassendere Geschichte erzählen wir in unserem Artikel über die Geschichte des Plakats von der Belle Époque bis an deine Wand, und die Grafik der Stockholmer Spiele ist gewissermaßen eine schwedische Fortsetzung jener französischen Plakattradition, die Jules Chéret und Toulouse-Lautrec einige Jahrzehnte zuvor begründet hatten. Dieselben Jugendstil-Linien, dasselbe Gespür dafür, dass ein einziges Bild alles sagen kann. Wer tiefer in den Stil eintauchen möchte, findet in unserem Guide zu Retro- und Vintage-Postern eine gute Fortsetzung.
Tipp: Möchtest du die Stimmung von 1912 einfangen, ohne ein buchstäbliches Sportmotiv zu wählen? Suche nach Postern mit Jugendstil-Linien, gedecktem Ockergold und einer klaren zentralen Komposition. Der grafische Stil vermittelt das Gefühl der Epoche auch dann, wenn das Motiv Blumen, Architektur oder ein altes Reiseplakat zeigt.
So wählst du Poster im Geiste der Plakatkunst aus – Motive, Formate und Räume
Wenn du etwas vom Stil der Sonnenolympiade und der frühen Plakatkunst mit nach Hause nehmen möchtest, gibt es dafür mehrere Möglichkeiten. Am naheliegendsten ist ein grafisches Plakat aus der Zeit: von Retro-Reiseplakaten über alte Veranstaltungsplakate bis hin zu Markengrafiken mit klaren Flächen und kräftiger Linienführung. Solche Motive findest du unter unseren Retro- und Vintage-Postern und unter den grafischen Postern, bei denen Form und Farbflächen im Mittelpunkt stehen. Wenn dich eher Stockholm und der Austragungsort von 1912 reizen, passt ein Poster aus der Kategorie bekannte Orte gut, gerne mit einer Stadtansicht oder einem Architekturmotiv aus der Hauptstadt.
Für das Format gilt dieselbe Regel wie für die Originalplakate: Gib ihnen Raum. Ein grafisches, markantes Motiv im Format 50×70 oder 70×100 erhält das Gewicht, das es verdient, und lässt sich auch aus der Entfernung gut betrachten, ganz wie ursprünglich vorgesehen. In einem Flur oder Treppenhaus, wo man schnell daran vorbeigeht, kommt die klare Wirkung eines Plakats besonders zur Geltung. Ein Arbeitszimmer oder eine Leseecke verträgt dagegen mehr Details. Dort kann ein kleineres Poster mit einem historischen Plakat aus der Nähe zum Gesprächsthema werden.
Ein häufiger Fehler ist, das historische Plakat wie einen beliebigen Gegenstand zu behandeln und es zu niedrig oder zu versteckt aufzuhängen. Die frühe Plakatkunst war dafür gedacht, ein Blickfeld zu beherrschen, und sollte das auch zu Hause tun dürfen. Hänge es auf Augenhöhe an eine Wand, an der es allein im Mittelpunkt steht, statt es zwischen Regalen und Möbeln einzuklemmen. So kommen sowohl der Rhythmus der Komposition als auch ihre historische Bedeutung zur Geltung. Eine weitere schöne Idee ist, ein einzelnes zeittypisches Plakat in einem ansonsten modernen, schlicht eingerichteten Raum wirken zu lassen. Der Kontrast zwischen dem alten Motiv und der klaren Einrichtung lässt beides deutlicher hervortreten und sorgt dafür, dass das Poster wie eine bewusste Entscheidung statt wie ein Zufall wirkt.
Der Rahmen kann entweder den historischen Charakter unterstreichen oder das Motiv in die Gegenwart holen. Ein schmaler, dunkler Holzrahmen sorgt für einen klassischen, fast musealen Eindruck, der zur zeittypischen Grafik passt. Ein schlichter schwarzer oder eichenfarbener Rahmen lässt das alte Plakat mit einer modernen Wohnumgebung harmonieren. Wenn du das Thema weiterführen möchtest, kannst du auch schwedische Kunst aus derselben Epoche einbeziehen. Unsere Auswahl an schwedischen Kunstwerken umfasst mehrere Künstler, die um die Jahrhundertwende und 1912 aktiv waren.
Häufig gestellte Fragen zur Sonnenolympiade und zum Plakat von 1912
Die Sonnenolympiade ist ein Sommerereignis, das man am besten vor Ort erlebt. Sie erinnert aber auch daran, dass das Plakat als Kunstform tief verwurzelt ist und seit über hundert Jahren Bestand hat. Hjortzbergs Bild von 1912 war das erste einer langen Reihe, und dieselbe grafische Selbstsicherheit lässt sich heute nach Hause holen. Wenn du dort beginnen möchtest, wo diese Formensprache ihren Ursprung hatte, sind unsere grafischen Poster ein naheliegender Einstieg – wähle ein Motiv mit klarer Linienführung und starker Komposition, entscheide dich für ein großzügiges Format und lass ein wenig Sonnenschein von 1912 an deiner eigenen Wand einziehen.
