Plakatkunst – Geschichte, Lithografie und die Meister des modernen Plakats
Plakatkunst ist der Bereich der Kunst, in dem das Bild für eine Straßenmauer gedruckt wurde und dennoch zu etwas wurde, das man heute hinter Glas bewahrt. Als das moderne Plakat in den 1860er-Jahren in Paris entstand, war es ein kommerzielles Werkzeug: eine Anzeige für eine Theateraufführung, ein Fahrrad oder einen Aperitif. Doch weil die Aufgabe verlangte, dass das Bild von einem vorbeigehenden Menschen aus drei Sekunden Entfernung gelesen werden konnte, zwang sie die Künstler zu einer formalen Radikalität, die die Malerei im Museum nie benötigte. Das Ergebnis war eine der einflussreichsten Bildtraditionen des 20. Jahrhunderts – und die Grundlage dafür, dass ein Poster überhaupt als Kunst betrachtet werden kann.
Diese Seite behandelt die Geschichte der Plakatkunst von Alois Senefelders Erfindung der Lithografie im Jahr 1796 bis zur strengen Typografie der Schweizer Rastersatz-Schule in den 1950er-Jahren, mit Stationen bei Jules Chéret, Henri de Toulouse-Lautrec, Alphonse Mucha, Lucian Bernhard und A.M. Cassandre. Besonderes Augenmerk gilt außerdem der schwedischen Plakattradition, die oft vergessen wird, obwohl die Königliche Bibliothek eine der größten Plakatsammlungen der Welt verwaltet. Abschließend geht es darum, wie man ältere Plakatkunst in einem modernen Wohnraum aufhängt, ohne dass das Ergebnis zu einer Pastische wird.
Inhalt
↓ Was ist Plakatkunst?
↓ Vom lithografischen Stein zu den Pariser Straßenmauern
↓ Die wichtigsten Werke der Plakatkunst
↓ Technik, Formensprache und künstlerische Signatur
↓ Plakatkunst in Schweden
↓ Das Erbe: das Plakat nach 1960
↓ Plakatkunst im Wohnraum – praktischer Leitfaden
↓ Zeitlinie
↓ Verwandte Kunstrichtungen
↓ Häufige Fragen zur Plakatkunst
Was ist Plakatkunst?
Plakatkunst bezeichnet künstlerisch gestaltete Drucke, die für das öffentliche Anschlagen bestimmt sind. Die Definition umfasst zwei Bedingungen, die das Plakat sowohl von der Malerei als auch von der gewöhnlichen Anzeige unterscheiden. Die erste ist technischer Natur: Das Plakat ist ein massenproduzierter Originaldruck, gewöhnlich eine Lithografie, bei dem der Künstler selbst auf der Druckplatte gearbeitet hat und dessen Auflage von Anfang an eher in die Tausende als in die Zehner ging. Die zweite ist funktionaler Natur: Das Bild soll einer sich bewegenden Person eine Botschaft vermitteln, oft aus mehreren Metern Entfernung und in weniger als drei Sekunden.
Die zweite Bedingung ist entscheidend dafür, warum die Plakatkunst formal innovativ wurde. Ein Bild, das schnell gelesen werden muss, kann nicht auf Detailreichtum, subtile Tonwertübergänge oder Tiefe im zentralperspektivischen Raum setzen. Es muss auf großen Farbflächen, klaren Silhouetten, kräftigen Konturen und Text beruhen, der in die Komposition integriert statt aufgeklebt ist. Genau diese Mittel – flache Farbe, angeschnittene Komposition, dekorative Linie – wurden später charakteristisch für große Teile der Moderne. Das Plakat war also kein einfacher Ableger der bildenden Malerei, sondern eines der Labore, in denen sich die moderne Bildsprache tatsächlich entwickelte.
Schnellinfo: Die Lithografie wurde 1796 in München von Alois Senefelder (1771–1834) erfunden. Die moderne farblithografische Plakatkunst wird mit Jules Chérets Pariser Arbeiten von 1866 angesetzt. Chéret (1836–1932) schuf im Laufe seiner Karriere über tausend Kompositionen. Toulouse-Lautrec fertigte zwischen 1891 und 1900 31 Plakate und etwa 325 Lithografien an. Lucian Bernhard führte 1906 mit Priester-Streichhölzern das Sachplakat ein. A.M. Cassandres Normandie wurde 1935 gedruckt und befindet sich heute in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York. Die Königliche Bibliothek in Stockholm verwahrt über eine halbe Million Plakate aus mehr als 90 Ländern. Carl G. Laurin gründete 1895 in Stockholm das Unternehmen Konstnärliga affischer.
Vom lithografischen Stein zu den Pariser Straßenmauern
Die Geschichte der Plakatkunst ist in hohem Maße eine Technikgeschichte. Ohne eine Druckmethode, die freie Handzeichnungen in großem Format und in Farbe zu einem erschwinglichen Preis wiedergeben konnte, wäre sie nie entstanden.
Senefelder und die Erfindung der Lithografie 1796
Alois Senefelder war Schauspieler und Dramatiker in München und suchte eigentlich nur nach einer günstigen Möglichkeit, seine eigenen Stücke zu drucken. Im Jahr 1796 entdeckte er neben Hochdruck und Tiefdruck ein drittes Druckprinzip: den Flachdruck. Die Methode beruht darauf, dass Fett und Wasser einander abstoßen. Der Künstler zeichnet mit fetter Kreide direkt auf eine geschliffene Kalksteinplatte aus Solnhofen in Bayern, der Stein wird angefeuchtet, und die fette Druckfarbe haftet nur dort, wo die Kreide aufgetragen wurde. Es war die erste radikal neue Druckmethode seit Gutenbergs beweglichen Lettern im 15. Jahrhundert und die einzige, bei der die eigene Hand des Künstlers ohne die Interpretation eines Graveurs auf dem Weg auf das Papier übertragen werden konnte.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Technik zur Chromolithografie, also zur Farblithografie, weiterentwickelt, bei der jede Farbe von einem eigenen Stein gedruckt wird. Das war arbeitsintensiv, ermöglichte jedoch satte, deckende Farbflächen in einem Format, das zuvor undenkbar gewesen war. In den 1860er-Jahren gab es Pressen, die Bögen von über einem Meter verarbeiten konnten, und diese ließen sich zu mehrteiligen Riesenplakaten zusammensetzen.
Jules Chéret und die Geburt des modernen Plakats 1866
Jules Chéret hatte in London Lithografie gelernt und eröffnete 1866 eine eigene Druckerei in Paris. Im selben Jahr stellte er die ersten Plakate her, die gewöhnlich als moderne Plakate gelten: große, farbenprächtige Kompositionen, in denen das Bild dominierte und der Text sich ihm unterordnete. Chéret wird oft als Vater des Plakats bezeichnet, und seine bekannteste Figur ist die leichte, wirbelnde Frauengestalt, die seine Zeitgenossen eine Chérette tauften. Sie kehrte in Hunderten von Aufträgen für Vergnügungslokale wie die Folies Bergère und das Moulin Rouge wieder, immer in Bewegung, immer vor einem Hintergrund aus reiner, ungebrochener Farbe.
Chérets Bedeutung geht über die einzelnen Bilder hinaus. Er zeigte, dass die Straße ein öffentlicher, allen zugänglicher Bildraum sein konnte, im Gegensatz zum Salon und zum Museum. Kritiker sprachen in den 1890er-Jahren von Plakatmanie, einem Sammelinteresse, bei dem Begeisterte Drucke direkt bei den Druckereien kauften oder sie nachts kurzerhand von den Plakatwänden lösten. Als Chéret 1890 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde, hieß es in der Begründung ausdrücklich, er habe eine neue Kunstform geschaffen.
Die Belle Époque als goldenes Zeitalter des Plakats
Die Zeit zwischen 1890 und dem Ersten Weltkrieg war die erste und vielleicht wichtigste Blütezeit der Plakatkunst. Paris verfügte damals über eine dichte Kultur aus Kabaretts, Zeitungen, Fahrradherstellern und Getränken, die alle auf sich aufmerksam machen mussten, während die lithografischen Druckereien der Stadt Weltklasseniveau hatten. Künstler, die sonst mit Öl arbeiteten, ließen sich für Aufträge gewinnen, und es gab keine scharfe Grenze zwischen Werbebild und grafischem Originalwerk. Dasselbe Bild konnte an einer Säule an einem Boulevard hängen und zugleich als nummeriertes Blatt an Sammler verkauft werden. Diese Doppelheit – Gebrauchsbild und Kunstwerk im selben Druck – ist bis heute das entscheidende Merkmal der Plakatkunst.
Die wichtigsten Werke der Plakatkunst
Drei Drucke kehren in jeder seriösen Darstellung des Genres immer wieder. Sie verkörpern drei unterschiedliche Vorstellungen davon, was ein Plakat leisten soll, und alle drei sind weit über die Werbegeschichte hinaus zu Ikonen geworden.
Moulin Rouge – La Goulue (1891)
Henri de Toulouse-Lautrecs erstes Plakat ist zugleich sein berühmtestes. Die Tänzerin La Goulue tritt in Weiß vor einer gelben Tanzfläche hervor, während das Publikum auf eine schwarze, gesichtslose Silhouettenfrisur reduziert ist und der Mitbewerber Valentin le Désossé als durchscheinende graue Gestalt im Vordergrund steht. Die Komposition ist wie ein Foto beschnitten, die Tiefe wird nur durch Überlagerungen angedeutet, und der Rhythmus der drei gelben Lampenkugeln trägt das gesamte Bild. Die Wirkung war unmittelbar: Das Plakat machte sowohl die Tänzerin als auch den Künstler über Nacht in ganz Paris bekannt. Toulouse-Lautrec sollte danach bis 1900 insgesamt 31 Plakate und rund 325 Lithografien anfertigen. Ein Exemplar von Moulin Rouge – La Goulue erzielte beim Auktionshaus Poster Auctions International in New York 240.000 Dollar, während sein Eldorado – Aristide Bruant von 1894 78.000 Dollar erreichte. Mehr erfahren Sie auf der Themenseite zu Henri de Toulouse-Lautrec.
Gismonda (1894)
Alphonse Muchas Plakat für Sarah Bernhardts Schauspiel Gismonda wurde am Neujahrstag 1895 an den Pariser Straßen aufgehängt und über Nacht zum Gesprächsthema der Stadt. Das Format ist extrem schmal und fast zwei Meter hoch, die Farbpalette gedämpft in Gold, Oliv und blassem Rosa, und die Schauspielerin ist lebensgroß dargestellt, mit einem byzantinischen Mosaikbogen als Heiligenschein hinter ihrem Kopf. Bernhardt band Mucha mit einem Sechsjahresvertrag an sich, und der dekorative Stil, der hier entstand, wurde als le style Mucha bezeichnet, bevor er in der umfassenderen Bewegung des Art nouveau aufging. Vertiefe dich in Alphonse Muchas künstlerisches Schaffen und in Art nouveau als Kunstbewegung.
Normandie (1935)
Adolphe Mouron, der unter der Signatur A.M. Cassandre tätig war, erhielt den Auftrag, für das französische Atlantikschiff Normandie zu werben, das erste Schiff mit einer Länge von mehr als 300 Metern. Er entschied sich, den Schiffsrumpf von unten, symmetrisch und nahezu abstrakt darzustellen, sodass der Bug als schwarzer Keil vor einem hellen Himmel erscheint und die drei Schornsteine zum Horizont hin an Größe abnehmen. Die Möwen an der Wasserlinie vermitteln die gesamte kolossale Dimension. Das Bild verbindet die Geometrie des Art déco mit den flächigen Volumen des Kubismus und einem surrealistischen Gefühl der Stille. Der Druck befindet sich heute in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York sowie der Bibliothèque nationale de France und des Stedelijk Museum in Amsterdam; Originalexemplare wurden bei wiederholten Auktionen mit Beträgen von über 10.000 Dollar bezahlt.
"Das Plakat verlangt vom Künstler einen völligen Verzicht auf persönliche Gefühle. Er spricht nicht in eigener Sache, sondern für ein Publikum." – A.M. Cassandre
Technik, Formensprache und künstlerische Signatur
Die Formensprache der Plakatkunst lässt sich in drei Schlüsselbegriffe zusammenfassen, die chronologisch aufeinanderfolgen, sich aber nie vollständig gegenseitig ablösen.
Die Ästhetik der Farblithografie
Da jede Farbe einen eigenen Stein und einen eigenen Durchlauf durch die Druckpresse erforderte, bestand ein starker wirtschaftlicher Druck, die Anzahl der Farben gering zu halten. Vier bis sechs Farbtöne waren üblich. So entstand die charakteristische Palette aus reinen, ungebrochenen Flächen ohne Tonübergänge, oft mit einer schwarzen Konturzeichnung, die die Komposition zusammenhält. Außerdem arbeitete der Künstler direkt spiegelverkehrt auf dem Stein, wodurch kühne, schnell gesetzte Formen gegenüber kunstvollen Details bevorzugt wurden. Gerade diese Einschränkung ist der Grund dafür, dass alte Plakate an einer modernen Wand noch immer grafisch kraftvoll wirken.
Das Sachplakat: Berlin 1906
Der deutsche Designer Lucian Bernhard (1883–1972) trieb die Reduktion auf die Spitze. In seinem Wettbewerbsbeitrag für die Zündholzmarke Priester strich er 1906 alles bis auf zwei rote Streichhölzer vor dunklem Hintergrund und den Markennamen in fetter, selbst gezeichneter Schrift. Keine Umgebung, keine Figur, keine Geschichte. Dieser Ansatz erhielt den Namen Sachplakat und wurde zur Grundlage der gesamten modernen Markengrafik. Während das französische Plakat mit Charme lockte, argumentierte das deutsche mit Sachlichkeit.
Das Raster und die Schweizer Schule
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in Zürich und Basel die Richtung, die international als Schweizer Stil bezeichnet wird. Josef Müller-Brockmann (1914–1996) entwarf 1950 sein erstes Plakat für das Konzerthaus Tonhalle in Zürich und gründete es vollständig auf mathematischen Proportionen, asymmetrischer Sans-Serif-Typografie und einer strengen zugrunde liegenden Rasterstruktur. 1957 folgte er Ernst Keller als Professor an der Kunstgewerbeschule in Zürich nach und gründete 1958 gemeinsam mit Richard Paul Lohse, Hans Neuburg und Carlo Vivarelli die Zeitschrift Neue Grafik. Seine Arbeit schöpfte aus dem Konstruktivismus, De Stijl und dem Bauhaus. Das Ergebnis war die Formensprache, die bis heute grafische Poster prägt.
Die Plakatkunst in Schweden
Die schwedische Plakattradition ist auffallend gut erhalten, wird aber unterschätzt. Außerdem hat sie einen klaren Ausgangspunkt.
Carl G. Laurin und künstlerische Plakate 1895
Der Kunsthistoriker Carl G. Laurin hatte in den 1880er-Jahren einige Jahre in Paris verbracht und kehrte stark von der französischen Plakatkunst beeinflusst zurück. 1895 gründete er mit finanzieller Unterstützung der Generalstabens Litografiska Anstalt das Unternehmen Konstnärliga affischer, mit dem ausdrücklichen Ziel, das künstlerische Niveau der schwedischen Werbung zu heben. Die Initiative führte dazu, dass etablierte Künstler erstmals systematisch für schwedische Werbedrucke engagiert wurden, und verlieh dem schwedischen Plakat von Anfang an künstlerische Legitimität.
Das schwedische goldene Zeitalter und die Sammlungen heute
Die Blütezeit der schwedischen Plakatkunst fällt in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und reicht bis etwa zum Ende der 1950er-Jahre. Zu den bekannten Namen zählen Einar Nerman, 1888 in Norrköping geboren und bis 1983 tätig, der Filmplakate wie das für Thomas Graals bästa barn von 1918 schuf, sowie Eric Rohman, Wilhelm Kåge und Anders Beckman, der Letztgenannte einer der Bedeutendsten sowohl im Bereich der Werbe- als auch der Filmplakate. Die Formensprache bezog ihre Einflüsse aus dem Jugendstil, Art déco, dem Funktionalismus und dem Kubismus, mit kräftigen Farben, Silhouetten und vereinfachten geometrischen Formen.
Das Material ist ungewöhnlich gut geordnet erhalten. Die Plakatsammlung der Königlichen Bibliothek umfasst über eine halbe Million Objekte mit Drucken aus mehr als 90 Ländern und gilt als eine der größten ihrer Art weltweit. Die Grundlage bilden die Pflichtexemplare, die Druckereien und Verlage gesetzlich einreichen mussten, wodurch die Sammlung ungewöhnlich umfassend ist. Die Universitätsbibliothek Göteborg verfügt innerhalb ihrer Sondersammlungen über eine eigene Plakatabteilung. Wenn du sehen möchtest, wie die nordische Bildtradition im Übrigen zusammenhängt, findest du eine Übersicht auf der Themenseite zur nordischen Kunst.
Das Erbe: das Plakat nach 1960
Das Plakat verlor seine Rolle als wichtigstes Werbemedium, als sich das Fernsehen durchsetzte, erhielt dafür jedoch neue Funktionen. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde es zu einem politischen Instrument in Protest- und Studentenbewegungen, in denen einfache Schablonen- und Siebdrucke kostengünstig und schnell hergestellt werden konnten. Parallel dazu entwickelte sich das Konzertplakat zu einem eigenen Genre mit experimenteller, oft schwer lesbarer Typografie. Im selben Zeitraum etablierte sich das Plakat endgültig als Sammlerobjekt: Ältere Originaldrucke wurden systematisch versteigert, und die Preise für die besten Exemplare folgten seither eher dem Kunstmarkt als dem Designmarkt.
Dass das Genre inzwischen institutionellen Status besitzt, zeigt sich daran, dass das 2019 eröffnete Poster House in New York ein Museum ist, das ausschließlich dem Poster gewidmet ist. Das Programm für 2026 umfasst unter anderem die Ausstellung Act Black über Poster aus der afroamerikanischen Bühnen- und Filmszene sowie eine Ausstellung über Reisen und Identität in der Tschechoslowakischen Ersten Republik 1918–1938. In Berlin wird die jährliche Wettbewerbsausstellung 100 Beste Plakate im Kulturforum gezeigt; auf die Ausgabe im Sommer 2026 folgt eine Tournee durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und Südkorea. Dass ein als Straßenwerbung entstandenes Genre eigene Museen und jährliche Jurys erhält, sagt einiges darüber aus, wie vollständig seine Anerkennung inzwischen geworden ist.
Plakatkunst in der Wohnung – praktischer Leitfaden
Plakatkunst funktioniert in einer modernen Wohnung ungewöhnlich gut – aus einem Grund, der in der Technik liegt: Die grafische Klarheit sorgt dafür, dass das Bild auch aus der Entfernung und selbst dann zusammenhält, wenn es im übrigen Raum unordentlich ist. Ein Poster ist außerdem dafür komponiert, schnell betrachtet zu werden, wodurch es zu einem dankbaren Blickfang in einem Raum wird, in dem das Auge sonst umherwandert.
Der häufigste Fehler besteht darin, zu viele Epochen zu mischen. Ein Jugendstilposter aus den 1890er-Jahren und ein Schweizer Rasterposter von 1955 stammen aus gegensätzlichen Ideenwelten und neutralisieren sich gegenseitig. Wählen Sie lieber eine Linie und bleiben Sie ihr treu. Ein Raum mit drei Retro- und Vintagepostern aus demselben Jahrzehnt wirkt klar und konsequent, während ein Raum mit drei Postern aus drei Jahrhunderten nur unentschlossen wirkt.
Die Größe sollte den Proportionen des Originals entsprechen. Poster der Belle Époque waren oft schmal und hoch, manchmal über 180 Zentimeter, während die Schweizer Formate der Nachkriegszeit eher quadratisch waren. Ein schmales, hohes Poster hängt am besten allein auf einer abgegrenzten Fläche, gern zwischen zwei Türen oder neben einem Bücherregal, wo die vertikale Ausrichtung zur Geltung kommt. Breitere, geometrische Drucke lassen sich dagegen gut in einer Gruppe von zwei oder drei mit gleichmäßigen Abständen aufhängen.
Tipps: Lassen Sie den Rahmen der Epoche des Posters selbst folgen statt der übrigen Einrichtung des Raumes. Französische Lithografien aus den 1890er-Jahren wirken in einem schmalen Rahmen aus dunklem Holz oder Messing besonders gut, der die damaligen Rahmungen aufgreift. Grafische Drucke der Nachkriegszeit profitieren von einem dünnen, mattschwarzen oder schlichten Aluminiumrahmen, der nicht mit der Typografie konkurriert. Verwenden Sie immer ein großzügiges Passepartout von mindestens fünf Zentimetern – Poster sind mit einem Druckrand komponiert, und ohne Luft um das Bild wirkt die Komposition beschnitten. Mehr dazu finden Sie im Leitfaden zum richtigen Rahmen und im Leitfaden zur Auswahl eines Posters für das Wohnzimmer.
Platzierung und Licht
Plakatdrucke sind lichtempfindlicher als Ölgemälde, da die älteren lithografischen Farben Pigmente enthielten, die verblassen. Wenn du ein Plakat in einem nach Süden ausgerichteten Raum aufhängst, sollte es nicht mitten am Tag direkter Sonne ausgesetzt sein. Gelb und Rot sind die Farben, die zuerst verblassen, was gerade bei Drucken der Belle Époque besonders ungünstig ist, da die gelbe Grundfarbe oft die gesamte Komposition trägt. Glas mit UV-Schutz löst das Problem weitgehend.
Eine Gruppe zusammenstellen
Wenn du mehrere Drucke zusammenstellen möchtest, kommt Plakatkunst in einer strengen Anordnung mit gleichen Rahmen und gleichen Abständen am besten zur Geltung, nicht in einer frei wachsenden Komposition. Das Genre ist bereits grafisch intensiv, und eine unregelmäßige Gruppierung wirkt schnell unruhig. Eine Reihe aus drei Bildern auf Augenhöhe oder ein Raster aus vier Bildern lässt jedes Motiv seine eigene Wirkung behalten. Praktische Maße und Abstände findest du in unserem Guide für Bilderwände, und wer die strenge grafische Schule genauer verstehen möchte, kann den Guide zu Bauhaus-Postern lesen oder in den Bauhaus-inspirierten Drucken stöbern.
Zeitleiste
1796 – Alois Senefelder erfindet in München mithilfe von Kalkstein aus Solnhofen die Lithografie. 1866 – Jules Chéret eröffnet eine Druckerei in Paris und stellt die ersten modernen farblithografischen Plakate her. 1890 – Chéret wird zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, mit der Begründung, er habe eine neue Kunstform geschaffen. 1891 – Toulouse-Lautrec veröffentlicht Moulin Rouge – La Goulue, sein erstes Plakat. 1894 – Mucha entwirft Gismonda für Sarah Bernhardt; der Druck wird am Neujahrstag 1895 aufgehängt. 1895 – Carl G. Laurin gründet in Stockholm Konstnärliga affischer mit Unterstützung der Generalstabens Litografiska Anstalt. 1906 – Lucian Bernhard gestaltet in Berlin das Priester-Plakat und begründet damit das Sachplakat. 1918 – Einar Nerman gestaltet das Filmplakat zu Thomas Graals bästa barn. 1935 – A.M. Cassandre vollendet Normandie. 1950 – Josef Müller-Brockmann gestaltet sein erstes Tonhalle-Plakat in Zürich. 1958 – Die Zeitschrift Neue Grafik wird in Zürich gegründet. 2019 – Poster House eröffnet in New York als Museum ausschließlich für Plakate. 2026 – Die Ausstellung 100 Beste Plakate ist im Kulturforum in Berlin zu sehen und geht anschließend auf internationale Tournee.
Verwandte Kunstrichtungen
Die Plakatkunst überschneidet sich mit mehreren der Bewegungen, die auf Bozettos übrigen Themenseiten beschrieben werden. Die engsten Bezüge bestehen zum Art nouveau, das gerade durch das Plakat seinen breiten Durchbruch erzielte, und zur Arts-and-Crafts-Bewegung, die bereits in den 1880er-Jahren die Qualität gedruckter Bilder thematisierte. Das geometrische Nachkriegsplakat knüpft an den Suprematismus und die Moderne im Allgemeinen an, während die Pop-Art aus entgegengesetzter Richtung die Sprache des Werbebildes in den Museumsraum brachte. Der vollständige Überblick über unsere Themenseiten zu Künstlern und Bewegungen ist in der Wissensdatenbank zusammengestellt.
Häufig gestellte Fragen zur Plakatkunst
Plakatkunst zeigt, dass ein Bild nicht in Öl gemalt sein muss, um künstlerisches Gewicht zu besitzen. Sie entstand aus den Beschränkungen der Druckerpresse und wurde dadurch klarer, mutiger und unmittelbarer als vieles in der zeitgenössischen Malerei. Wenn Sie etwas von dieser Kraft in Ihr Zuhause holen möchten, finden Sie eine Auswahl in den Retro- und Vintage-Postern, den grafischen Postern und unter Drucken bekannter Künstler.
